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Doppelpunkt vom August 2017

 

«Ich habe mich in ein Mädchen verliebt, das Beyoncé sein wollte, das einen kleinen Job in einem Thai-Restaurant hatte, das zu einer Reise ans Ende der Welt aufbrach, mit recht sozialistischen und eher kommunistischen Ideen, aber gut, ich hätte nie daran gedacht, dass ich eines Tages mit Gott schlafen würde.» So beginnt sie: die erste Folge der Web-Serie «Hilfe, meine Frau ist Pfarrerin.» Die Hauptdarsteller: Victor und Carolina Costa. Er: Agnostiker und Komiker. Sie: reformierte Pfarrerin im Kanton Waadt. In der Serie nennt sich das Paar Tomas und Clara.

Obwohl die drei- bis knapp fünfminütigen Clips eher mässig aus dem Französischen ins Deutsche synchronisiert wurden, machen sie schon nach den ersten Sekunden süchtig. Warum? Ganz klar: Es liegt an der Kombination aus der Hauptzutat Humor, der schauspielerischen Leistung und der professionellen Produktion.

«Ist Gott eine Tunte?», fragt sich Tomas, nachdem seine Frau vehement behauptet, der Herr habe nicht nur maskuline, sondern auch feminine Anteile. «War Lazarus ein Zombie?», überlegt er erschreckt, nachdem er die Geschichte hört, wie Jesus den Toten ins Leben zurückgeholt hat. Und überhaupt sieht Tomas überall Tote, seit seine Frau ständig von ihren Beerdigungen erzählt.

Tomas verjagt seinen Nachbarn, weil er es nach einem Ratschlag seiner Angetrauten mit zu viel Nächstenliebe versucht. Er geht selten ohne Sonnenbrille aus dem Haus, damit er möglichst nicht erkannt wird. Denn dem ganzen Ort ist natürlich bekannt, dass der Mann der Pfarrerin Rückenschmerzen hat und geschäftlich gerade auf einen grossen Auftrag hofft. Und er würde sich ja so freuen, wenn seine Frau im Juli mit ihm in die Ferien fahren würde. Aber nein, sie musste natürlich zusagen, ein Paar zu trauen.

Doppelpunkt vom August 2017 (37)